„Ich glaube nicht, dass ich eines Tages aufhören werde es zu lieben.“ – Brahim Habib Allah im Interview

Info // Dieses Interview entstand im Rahmen meines Abschlussprojekts für den Texter-Kurs an der Akademie Deutsche Pop in Köln.

Von einem kleinen Jungen, der fast in einem Swimmingpool ertrunken wäre zum marokkanischen Surfchampion. Wie kommt das und was steckt dahinter? Ich habe mit Surfer und Surfcamp-Leiter Brahim Habib Allah gesprochen und möchte euch heute etwas mehr von dem Mann zeigen, der bereits mehrfach hier in meinem Blog aufgetaucht ist.

Hallo Brahim. Danke, dass du dir Zeit für mich nimmst. Kannst du mir zunächst einmal einen kurzen Überblick über dein Leben geben?

Geboren wurde ich in Anza. Aufgewachsen bin ich in Aourir (Banana Village). Der Ort an dem die kraftvollen Wellen des Atlantik einen der besten Surfspots weltweit kreieren.

Als ich jung war, dachte niemand, dass ich eines Tages Surfer werden würde. Der Grund dafür war, dass ich als kleiner Junge einmal fast in einem Swimmingpool ertrunken wäre. Als Teenager sammelte ich dann meine ersten Surf-Erfahrungen. Nach einigen Jahren belegte ich den zweiten Platz in der Meisterschaft „Morocco du Sud“. Ende 2012, nach großen Erfolgen in Wettkämpfen, stieg ich auf den ersten Platz in der Rangliste der marokkanischen Pro Surfer und viele weitere großartige Ergebnisse folgten. Mein Highlight war 2014 die Teilnahme an der Rip Curl West Africa Tour in Dakar und Senegal. Ich wurde zweiter in meiner Kategorie. Danach kümmerte ich mich um Pro Surf Morocco, begann mit dem Unterrichten und kümmerte mich um mich und meine Gäste.

Wie kam es, dass du Surfer geworden bist?

Als ich noch ein Kind war, war ich lange Zeit eher an Fußball interessiert. Ich spielte sehr viel und war ein sehr guter Spieler in meiner Heimatstadt. Nach einer Verletzung war ich leider nicht mehr stark genug, um weiter zu spielen. Ich konnte für mehrere Monate nicht mehr gehen. In dieser Zeit hütete ich die Schafe und Ziegen meines Vaters in der Nähe von Banana Beach. Dort entschied ich dann das mit dem Surfen auch einmal versuchen zu wollen. Ich habe mich damals, mit 16 Jahren, unsterblich in das Surfen verliebt. Ich liebe es immer noch und ich glaube nicht, dass ich eines Tages aufhören werde es zu lieben.

Wie wurdest du ein Pro Surfer?

Das Surfen hat mir einfach unglaublich großen Spaß gemacht und wurde zu DER Leidenschaft für mich. Um Pro Surfer zu werden habe ich unglaublich hart trainiert. Sowohl für mich, als auch um einen Sponsor zu finden und diesen zufriedenzustellen. Meine guten Ergebnisse haben mir einen Sponsor eingebracht, der mir viel geholfen hat. Ich glaube aber, dass auch mein guter und respektvoller Umgang mit anderen Surfern und Nicht-Surfern sehr geholfen hat, um mir ein gutes Image aufzubauen. Die Leute mochten mich und halfen mir deswegen mit Geld und Surfausrüstung. Ich bekam viele Chancen und bin sehr dankbar für all das, was ich bekommen habe. Die Menschen haben mir so viel Liebe gezeigt und meinen Plan unterstützt, an Wettkämpfen teilzunehmen.

Was sagten deine Eltern zum Surfen? Wollten sie nicht, dass du einen „richtigen“ Job annimmst?

Ja, meine Eltern haben sich immer beklagt. Mein Vater wollte beispielsweise, dass ich mich um sein Bauunternehmen kümmere. Aber ich wollte das nie akzeptieren und habe immer meine eigenen Träume verfolgt. Meine Mutter hatte immer Angst vor dem Ozean. Sie hat immer Angst davor, dass ich eines Tages in den großen Wellen sterben werde. Aber schlussendlich haben sie beide verstanden, dass ich es liebe und auch sehr gut darin bin. Zu Beginn war es schwer ihnen klar zu machen, wer ich bin und was ich da tue, aber inzwischen wünschen sie mir nur das Beste und viel Glück für all das was ich liebe.

Wann und warum hast du Pro Surf Morocco gegründet?

Ich habe Pro Surf Morocco als kleines Unternehmen gestartet, um etwas zu haben, wovon ich leben und wofür ich arbeiten kann. Vor allem auch um etwas zu tun, das ich wirklich liebe. Nachdem ich meine Freundin Sandra kennengelernt hatte, half sie mir damit. Sie war eine gute Partnerin und hat mir viel geholfen. Inzwischen sind wir getrennt und so manage ich das Camp nun alleine. Manchmal ist es derzeit deswegen schwierig, weil ich sehr viel arbeiten muss. Ich arbeite viel, um die anstehende Saison vorzubereiten und die vielen Aufgaben und das Training zu jonglieren.

Was hat sich seit den Anfängen von Pro Surf Morocco geändert?

Anfangs war es noch sehr schwer. Wir mussten viel lernen, da wir keine Erfahrung darin hatten ein Surfcamp zu leiten. Wir haben unser Bestes getan und unsere Gäste, die jedes Jahr kommen, um uns zu besuchen, sind immer sehr zufrieden. Ich habe einen Job, von dem ich leben kann. In meinem Leben verändern sich gerade viele Dinge.

Apropos Veränderung: Was denkst du über das Taghazout Bay Projekt?

Das Projekt hat viel in der Region verändert. Zu vielen Stränden, an denen wir unsere Gäste früher unterrichtet haben, haben wir keinen Zugang mehr. Sie haben viel von der Schönheit der Küste zerstört und viele Surfspots geschlossen, die gut für Anfänger geeignet waren. Sie bauen sehr viel und wir sind mit dieser Situation im Moment nicht wirklich glücklich. Wir hoffen einfach, dass sie uns öffentliche Plätze für das Surfen übrig lassen. Damit wir weiterhin Zugang zu den Wellen haben und auch andere, die Marokko besuchen, um hier zu surfen.

Blick von der Terrasse von Pro Surf Morocco

Wie hat sich die Surfkultur in Taghazout verändert, seit du damit angefangen hast?

Als ich anfing zu surfen war das alles noch ganz anders. Ich habe mir mein erstes Surfboard deswegen gekauft, weil ich den Sport liebe. Heute machen es die meisten Leute nur noch für Geld und nicht, weil sie den Sport lieben. Bevor ich das Surfcamp eröffnet habe, habe ich immer davon geträumt Surfchampion zu werden. Ich habe nie gedacht, dass ich einmal ein eigenes Surfcamp besitzen würde. Mit dem Surfen kam eins zum anderen. Ich habe nie geplant ein „Boss“ zu werden oder eine eigene Firma zu besitzen. Ich bin immer Wellen geritten, weil ich die Welle geliebt habe. Und dieses Jahr werde ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen, so Gott will, an meinen Erfolg anknüpfen und vielleicht sogar noch mehr Erfolg haben als zuvor.

Was denkst du, wie sich die Surfkultur in Zukunft verändern wird?

Ich bin sicher, dass die Zukunft nie genau das bringen wird, was wir uns jetzt vorstellen. Viele Menschen hier und auf der ganzen Welt sehen nur das viele Geld, dass in diesem Sport verdient werden kann. Sie surfen nicht, weil sie es lieben. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich durch ganz Marokko gereist bin und manchmal kein Geld und kein Essen hatte. Ich hoffe, dass die nächste Generation anders denkt und surft, um Champion in einem Sport zu werden, den sie lieben.

Was gefällt dir am meisten an der Region Taghazout und Tamraght?

An Tamraght, wo auch das Haus meines Surfcamps steht, schätze ich sehr, dass es ein wirklich netter und sauberer kleiner Ort ist. Perfekt für Leute, die einfach nur relaxen und chillen möchten. Die Berber in Tamraght sind sehr freundlich und die Nachbarschaft ist sehr nett. In Taghazout liebe ich vor allem die Wellen. Sie sind großartig und es gibt so viele Surfspots. Man kann dort perfekte Wellen reiten, sowohl als Anfänger als auch als Pro Surfer.

Ich bin sehr froh, dass du es trotz des vielen Stress geschafft hast mit mir zu sprechen. Danke für deine Zeit und das Interview Brahim!

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